Verselbstständigungswohnen gem. §§30, 34, 35, 41 KJHG

Das Kinder- und Jugendhilfegesetz fordert insbesondere für ältere Jugendliche und junge Erwachsene individuellere und flexiblere Betreuungsformen, die die bis­herige Erziehung im Gruppenverbund ergänzen bzw. von Anfang an ersetzen.

Bei älteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist in der Regel das Verselb­stän­digungswohnen das Leben im eigenen Wohnraum mit entsprechender päd­agogi­scher Betreuung die angezeigte Jugendhilfemaßnahme.

Bei den älteren Jugendlichen, die in der Jugendhilfeeinrichtung leben, ist in re­gel­mäßigen Abständen zu überprüfen, ob eine Verselbständigung im Rahmen ei­ner eige­nen Wohnung möglich ist.

Jugendliche und junge Erwachsene haben heute in der Regel eine Selbständig­keit erreicht, die es ihnen ermöglicht, mit entsprechender fachlicher Unter­stützung ihr Leben selbst zu organisieren und zu gestalten. Eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung ist hier nicht angezeigt, sondern würde nur neue unnötige Kon­fliktfelder schaffen.
Erziehung tritt zugunsten von Unterstützung und Beratung in den Hintergrund. Umso mehr sind klare Grenzen, Absprachen in der Betreuung und zielorientier­tes Han­deln gefragt.

Pädagogische Zielsetzung

Von dem/der Außenbetreuer/in wird dem Jugendlichen, dem jungen Erwachse­nen, ein Beziehungsangebot gemacht. Auf der dann gefundenen Kommunikations­basis werden alle weiteren Hilfen gemeinsam erarbeitet bzw. vom jungen Men­schen ab­ge­rufen.

Die Hilfen, die hier angeboten werden, richten sich nach dem momentanen indivi­du­ellen Bedarf und sind darauf ausgerichtet, alle beeinflussbaren Variablen zu be­rück­sichtigen, die das Lebensumfeld bietet.

Je nach Lebenssituation beginnt diese Betreuung in der Familie und mündet in der Betreuung in einer eigenen Wohnung; oder das Hilfsangebot beginnt im Ju­gend­haus und wird dann in den selbst gesuchten Räumen fortgesetzt.

Die Jugendlichen/jungen Erwachsenen die im Verselbständigungswohnen leben, werden in den von ihnen gewählten Wohnformen betreut.

Der Jugendliche selbst ist vom Mitarbeiter zu befähigen, zunächst alle vorran­gigen Finanzierungsmöglichkeiten auszuschöpfen.

Methodische Grundlagen

Gemeinsam mit dem jungen Menschen wird zunächst der Übergang in die eigene Wohnung erarbeitet. Hierbei, wie auch im weiteren Verlauf, gilt der Grundsatz, dass der Jugendliche Hilfe zur Selbsthilfe erhält. Beratung, Unterstützung und regel­mä­ßige Überprüfung des Erreichten im Rahmen vertraulicher Gespräche sowie das Aufzeigen von Wegen ist Ziel der Arbeit zwischen Betreu­ern/Betreuerinnen und Ju­gendlichen.

Hierbei spielt die berufliche Orientierung und Ausbildung eine wichtige Rolle, da hier­durch insgesamt langfristig die Betreuung abgesichert und eine Stabilisie­rung im sozialen Umfeld erreicht wird. Kontakte zu Ausbildern und Lehrern sind somit selbst­verständlicher Bestandteil der Betreuung.

Neben diesen strukturierten Beratungsgesprächen steht der Betreuer/die Be­treuerin selbstverständlich bei akuten Notsituationen als Ansprechpartner/in zur Verfügung.

Um die pädagogischen Ziele zu erreichen, sollte nach folgenden methodischen Grundlagen verfahren werden:

  • Beratung die den gesamten Bereich der Gestaltung des Alltages betrifft.
  • Begleitung zu den verschiedensten Institutionen.
  • Entwicklung von Zukunftsperspektiven ( Schule/ Beruf)
  • Freizeitgestaltung, Gruppenveranstaltung
  • Individuell ausgerichtete Hilfen die im Hilfeplan festgelegt werden und regel­mäßig aktualisiert werden.
  • Gespräche mit Eltern, Lehrern und Arbeitgebern.
  • Bedarfsorientierte individuell abgestimmte Betreuung und Beratung in al­len Alltagsangelegenheiten.
  • kleine positive Ansätze bewußt verstärken,
  • Einüben von Selbstkontrolle,
  • Ressourcen im sozialen Umfeld herausarbeiten.

Die Betreuung kann als Einzelarbeit aber auch als Gruppenarbeit (gemeinsame Frei­zeitaktivitäten) stattfinden.

Personal

Für die Betreuung steht folgendes Personal zur Verfügung:

  • 1 Dipl.-Soz.-Päd. (Bereichsleitung, halbtags)
  • 1 Erzieher
  • 1 Erzieher (halbtags)

Hinzu kommen Honorarmitarbeiter die pädagogisch ausgebildet sind und Erfah­rung in Gruppen- und Einzelbetreuung haben.

Die Mitarbeiter in diesem Bereich arbeiten nach entsprechender Absprache im Rah­men des Hilfeplanes.